Film- und Fotoproduktionen – Das machen wir ganz günstig mal eben selbst!

Kind als Regisseur

Filmproduktion ist kein Kinderspiel

Die Technikentwicklungen der letzten Jahre sind wahrlich beachtlich. Insbesondere beim Thema Kameratechnik und Computersoftware sind der Foto-, Video- und Filmproduktion kaum Grenzen gesetzt. Praktisch jedes Smartphone der neueren Generation macht hochauflösende Aufnahmen, die im Grunde print-, streaming-, und sogar fernsehtauglich sind. Was vor Jahren noch in den Bereich der semiprofessionellen Kameratechnik zählte, ist heute praktisch in jeder Hosentasche zu Hause. In Kombination mit kostengünstiger und einfach bedienbarer Software wie Schnitt- und Bildbearbeitungsprogrammen kann also theoretisch jeder Content schaffen, der dann auf entsprechenden Plattformen veröffentlicht werden kann. Theoretisch!

„Im Grunde“ und „theoretisch“ reichen meistens nicht aus!

Die technischen Möglichkeiten sind wundervoll, keine Frage. Naheliegend, und bis zu einem gewissen Grad auch nachvollziehbar, ist somit der Gedanke vieler Unternehmen, dass sich Fotos und Filme extrem kostengünstig herstellen lassen. „Das macht unser neuer Praktikant, der hat auch einen Videoblog. Der weiß, wie das geht!“ So oder ähnlich klingen Entscheidungsträger, die möglichst kostengünstig einen neuen Imagefilm, eine Printanzeige oder einen Flyer auf den Markt bringen wollen.

Und in einem Punkt haben diese Budgetentscheider auch absolut recht: Das Ganze ist tatsächlich eine außerordentlich kostengünstige Methode der Foto- und/oder Filmproduktion. Einerseits. Denn das Problem dabei: Allzu leicht sind diese Produktionen nicht nur günstig, sondern wahrhaft billig! Und das sieht man. Im schlimmsten Fall zahlt das Unternehmen am Ende drauf oder schadet dem Unternehmensimage!

Was sind meine Ziele und wie kann ich die am besten erreichen!

Nur, dass wir uns hier nicht falsch verstehen. Unbestritten, dass es eine Vielzahl herausragender junger Talente gibt, die es verstehen, mit dem Einsatz geringfügiger oder „einfacherer“ Mittel Fantastisches auf die Beine zu stellen. Vom kleinen Musikvideo bis hin zur regelmäßigen und viel angeklickten Internetshow wird Grandioses produziert. Absolut sehenswert und unterhaltsam. Manchmal trotz, manchmal gerade aufgrund der verwendeten Mittel!

Doch all dies lässt sich so gut wie nie auf alle Formen der Foto- und Filmproduktion übertragen. Ein Clip ist noch lange keine virale Kampagne, nur weil er mit einem videofähigen Fotoapparat oder Smartphone realisiert und ins Internet gestellt wurde. Ein Imagefilm braucht weitaus mehr, als schöne Bilder, die mit Musik unterlegt wurden. Und in fast allen Werbespots steckt viel mehr, als diese manchmal selbst suggerieren. Beispiel gefällig?

„Wir machen eine Straßenumfrage. So wie die in der Werbung!“

Beliebtes Tool der Werbung ist die Nähe zum Endverbraucher aufzuzeigen. Genauso, wie es bspw. auch ein großes Brillen-Unternehmen in seinen Werbespots zeigt. Ein scheinbar zufällig ausgewählter Passant gibt ein kurzes, wohlwollendes Statement zum besagten Unternehmen ab. Schön, nett und – mit Hinblick auf die zu erreichende Zielgruppe – ganz effektiv. Kann man doch mal eben so in einer Einkaufsstraße aufnehmen. Kann man.

Wenn man es aber genauso machen will, wie es der Werbespot aller Wahrscheinlichkeit nach getan hat, muss man folgende Aspekte bedenken:

  • der vermeintliche Passant wurde durch ein agenturgetriebenes Casting unter vielen potenziellen Kandidaten ausgewählt und vom Kunden für gut befunden
  • der gesprochene Text wurde von Werbefachleuten enwtickelt
  • Styling und Maske sind ebenfalls perfekt und wurden bereits im Vorfeld bis ins Detail besprochen
  • das gesamte Setting wurde für den Dreh komplett ausgeleuchtet
  • Drehgenehmigungen wurden eingeholt
  • vom Statement bis hin zur Mimik alles 100%ig im Kasten war, wurde stundenlang gedreht
  • in der Postproduktion wurde tagelang Feinschliff betrieben, bis alles wirklich so war, wie es dann letztendlich veröffentlicht wurde
  • und: für das Ganze wurde sehr wahrscheinlich zunächst durch Marktforschung ermittelt, welche ‚Passanten-Typen‘ den Endkunden am besten ansprechen und welche Aussagen den Endkunden wahrscheinlich in seiner Kaufentscheidung beeinflussen

Dieser Werbespot hat also nur den Anschein, dass er mal „so eben“ entstanden ist. Mehr noch, er soll das sogar haben! Doch die eingesetzten Mittel sind alles andere, als „mal eben so“. Der Vergleich, wie es wirklich wäre, das Ganze mit einem Smartphone herzustellen, lässt sich ja schnell bewerkstelligen. Die Überraschung wird groß sein.

Und so gilt es immer zu überlegen: Was sind meine Ziele? Welche Zielgruppe will ich auf welcher Plattform erreichen und vor allem wie? Es spricht überhaupt nichts gegen den Einsatz geringer Mittel, wenn man sich dessen Wirkung und Ergebnis bewusst ist. Bei Foto- und Filmproduktionen zu sparen, nur um des Sparens willen, macht auch heutzutage, trotz all der technischen Möglichkeiten, keinen Sinn.

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